Ungebetene Gäste

Unwelcome Guests

Wochen vergingen und Lisa und Ben richteten sich auf der felsigen Insel ein. Sie bauten aus gesammelten Ästen und dem Segel ein einfaches Zelt. Mit den Lederriemen und der Säge fertigten sie stabile Pfosten für das Behelfsheim.

In den Felsspalten fanden sie Süßwasserquellen und mit den Töpfen konnten sie das gesammelte Regenwasser kochen. Ben konstruierte aus dem kaputten Schlauch der Servolenkung und den Plastikflaschen eine improvisierte Dusche.

Eines Tages, während Ben mit der Motorsäge Brennholz sammelte, hörte Lisa ein merkwürdiges Geräusch. Es klang wie ein Motor. Panisch rannte sie auf die höchste Stelle der Insel und spähte mit dem Fernglas aufs Meer.

Ihr Herz sank. In der Ferne näherte sich ein kleines Boot. Als es näher kam, erkannte sie mit Entsetzen, dass es sich um ein aufblasbares Floß handelte, ähnlich dem, mit dem sie selbst losgefahren waren.

Auf dem Floß befanden sich drei Gestalten. Sie wirkten genauso verwegen und abgemagert wie sie selbst.

Lisa weckte Ben und erzählte ihm aufgeregt von ihrer Entdeckung. Als die Fremden an Land kamen, versteckten sie sich zunächst hinter den Felsen.

Die Ankömmlinge schienen ebenso misstrauisch zu sein. Einer von ihnen, ein Mann mit zerzausten Haaren und einem schmutzigen Ledermantel, trat vorsichtig vor.

“Hallo?”, rief er in gebrochenem Deutsch. “Ist hier jemand?”

Lisa und Ben zögerten. Sollten sie sich zeigen oder versteckt bleiben?

Schließlich trat Ben hervor und hob grüßend die Hände. “Ja, wir sind hier!”, rief er zurück.

Die drei Fremden kamen näher. In ihren Händen hielten sie rostige Eisenstangen und ein medizinisches Set.

Der Mann mit dem Ledermantel musterte sie misstrauisch. “Wer seid ihr?”, fragte er barsch.

Lisa erzählte ihre Geschichte. Von der Tankstelle, dem defekten Auto und der langen Reise auf dem Meer. Der Mann nickte stoisch.

“Wir kommen vom Westen”, erklärte er. “Auf unserer Insel gab es nichts mehr zu holen. Also sind wir aufgebrochen, um nach anderen Überlebenden zu suchen.”

Er stellte sich und seine Begleiter vor. Sie hießen Max, Sarah und Tom.

Lisa und Ben atmeten erleichtert auf. Sie waren nicht mehr allein. Aber während sie den Neuankömmlingen in die Augen sahen, spürte Lisa ein seltsames Gefühl. In ihren Murmeln, die sie untereinander austauschten, lag eine verborgene Drohung.

Sie warf Ben einen besorgten Blick zu. Waren die Fremden wirklich Verbündete oder doch eher Gefahr? Die Marmeladengläser mit den gesammelten Murmeln standen unschuldig auf dem Tisch. Doch was verbarg sich hinter den trüben Glaskugeln?

Last Updated on April 19, 2024
by DaF Books

Ein Glas Champagner

Ein Glas Champagner und ein toter Baron

Die kalte Luft der Nacht beißt in meine Haut, als ich den Tatort betrete. Glitzernde Lichter und teure Autos säumen die Auffahrt der Villa. Hinter der hohen Mauer verbirgt sich ein Paradies aus Marmor, Springbrunnen und exotischen Pflanzen. Doch heute liegt ein Schatten über der Pracht. Baron von Rothschild, der Gastgeber der gestrigen Party, liegt leblos am Pool.

Ich betrete den großen Saal, wo die Party am Abend zuvor stattgefunden hat. Leere Champagnergläser und halbvolle Teller zeugen von exzessivem Trinken und ausgelassener Stimmung. Die Gäste, eine Mischung aus Adligen, Prominenten und Geschäftsleuten, wirken müde und desorientiert.

“Guten Abend, meine Damen und Herren,” sage ich mit fester Stimme. “Ich bin Detective Ramirez, und ich leite die Untersuchung des Todes von Baron von Rothschild. Ich weiß, dass die Nacht lang war und der Alkohol fließen konnte, aber ich bitte Sie alle um ihre Mitarbeit. Jeder Hinweis, jede Erinnerung kann entscheidend sein.”

Die Gäste nicken bedrückt. Sie wirken erschüttert und geschockt. Der Baron war ein beliebter Mann, bekannt für seine Großzügigkeit und seinen guten Humor.

“Fangen wir mit Frau von Rothschild an,” sage ich und wende mich der eleganten Dame in einem schwarzen Kleid zu. “Könnten Sie mir bitte erzählen, wo Sie sich gestern Abend aufgehalten haben?”

Frau von Rothschild zögert. “Ich… äh… ich war die meiste Zeit mit meinen Freunden im Salon. Wir haben Champagner getrunken und unterhalten uns.”

“Können Sie sich an etwas Bestimmtes erinnern, das passiert ist?”

“Nein, nicht wirklich. Alles ist so verschwommen. Der Champagner war köstlich, aber vielleicht etwas zu viel.”

Ich nicke verständnisvoll. “Es ist ganz normal, dass die Erinnerungen nach einer langen Partynacht etwas lückenhaft sind. Aber denken Sie bitte noch einmal genau nach. Haben Sie etwas Ungewöhnliches gesehen oder gehört?”

Frau von Rothschild schüttelt den Kopf. “Nein, ich kann mich wirklich an nichts erinnern.”

Ich bedanke mich bei Frau von Rothschild und befrage die anderen Gäste. Alle berichten von einem angenehmen Abend voller Gespräche, Tanz und Champagner. Doch niemand kann sich an etwas erinnern, das mit dem Tod des Barons in Verbindung gebracht werden könnte.

Frustriert werfe ich einen Blick auf die Videoaufnahmen der Party. Die Gäste lachen, tanzen und plaudern. Doch die Auflösung ist so schlecht, dass ich keine Details erkennen kann.

Ich warte, bis alle Gäste den Tatort verlassen haben, und beginne dann mit der Spurensuche. Am Pool finde ich einen zerbrochenen Champagnerkelch. Die Scherben glitzern im Mondlicht.

Ist dies die Mordwaffe? War es ein Gast, der in einem Wutanfall zuschlug? Oder steckt etwas anderes dahinter?

Die Fragen wirbeln in meinem Kopf. Ich bin müde und erschöpft, aber ich weiß, dass ich weitermachen muss. Die Wahrheit muss ans Licht kommen, egal wie viel Champagner geflossen ist.

Top 5 Most-Used Verbs:

  1. sein
  2. haben
  3. werden
  4. können
  5. gehen

Last Updated on April 23, 2024
by DaF Books