Der Geruch von verwelkten Rosenblättern liegt in der Luft, als ich die Tür zum Penthouse öffne. Der Blick aus dem Fenster offenbart eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt, die unter mir liegt wie ein Mosaik aus Lichtern. Doch die Schönheit der Szenerie kann nicht über den morbiden Zustand des Hauses hinwegtäuschen. Die Wände sind zerkratzt, die Möbel verfallen, und ein Schleier von Staub liegt über allem.
Ich bin der letzte Erbe meines Großonkels, der dieses Penthouse vor Jahrzehnten erwarb und hier bis zu seinem Tod lebte. Von ihm weiß ich nur wenig, nur dass er ein erfolgreicher Architekt war, der sich in den letzten Jahren seines Lebens völlig zurückgezogen hat.
Als ich mich im Penthouse umschaue, fühle ich mich unheimlich beobachtet. Es ist, als ob jemand anwesend wäre, obwohl ich niemanden sehe. Ich folge dem Geruch von verwelkten Rosenblättern, der mich in das Wohnzimmer führt. Dort finde ich einen alten Flügel, auf dem ein Stück Notenpapier liegt. Ich nehme das Papier und sehe, dass darauf eine einzige Melodie notiert ist, eine traurige, einsame Melodie.
Ich setze mich an den Flügel und beginne, die Melodie zu spielen. Die Töne klingen düster und verzerrt, als ob der Flügel selbst von einer traurigen Seele erfüllt wäre. Ich spiele die Melodie immer wieder, und mit jedem Mal scheint die Stimmung im Raum zu verdichten.
Ich bin so in das Spielen vertieft, dass ich nicht bemerke, wie sich die Tür hinter mir öffnet. Als ich mich schließlich umdrehe, sehe ich eine junge Frau in einem roten Kleid, die am Türrahmen steht. Sie hat lange, schwarze Haare und ein trauriges Lächeln auf den Lippen.
“Wer bist du?” frage ich sie.
Sie antwortet nicht, sondern schüttelt nur langsam den Kopf. Dann beginnt sie, auf dem Flügel zu spielen. Sie spielt die gleiche Melodie, die ich gerade gespielt habe, aber ihre Version ist viel schöner und ergreifender.
Ich bin fasziniert von ihrem Spiel und vergesse für einen Moment meine Angst. Ich lausche ihrer Musik, und ich fühle, wie mein Herz tief in meinem Inneren berührt wird.
Plötzlich wird der Raum dunkel, und ich höre ein lautes Knacken. Als ich meine Augen wieder öffne, sehe ich, dass die junge Frau verschwunden ist. Stattdessen steht vor mir ein riesiges Monster, halb Mensch, halb Tier. Es hat spitze Zähne und Klauen, und seine Augen glühen rot.
Ich schreie vor Angst und versuche zu fliehen, aber das Monster blockiert den Ausgang. Ich bin gefangen, und ich weiß, dass ich sterben werde.
Oder doch nicht?