Ich, Michael, war einst ein gefeierter Neon-Sign-Artist. Meine Werke säumten die Straßen der Stadt, leuchteten in allen Farben, verkündeten Botschaften und erweckten die Nacht zum Leben. Doch ein furchtbarer Fehler, ein tragischer Unfall, hatte mir alles genommen. Die Stadt hatte mich vergessen, und ich hatte mich selbst vergessen.
Jahrelang lebte ich in der Versenkung, ein Schatten meiner selbst, ein Getriebener meiner Schuld. Doch eines Nachts, als ich durch die trostlosen Straßen schlenderte, sah ich ein Schild: “Verfallenes Hochhaus – Renovierung gesucht”. Ein letzte Chance, zu beweisen, dass ich noch etwas wert war.
Ich nahm den Auftrag an, betrat das verlassene Hochhaus und begann zu arbeiten. Die Neonröhren in meiner Hand fühlten sich vertraut an, doch die Umgebung war fremd, kalt, unheimlich. Wie ich hochfuhr, um die oberste Etage zu beleuchten, sah ich, dass das Gebäude von zahlreichen Schatten belagert war.
Ich ignorierte sie und konzentrierte mich auf meine Arbeit. Die Farben tanzten vor meinen Augen, die Neonröhren erwachten zu Leben. Doch die Schatten blieben, wuchsen, und ich fühlte sie wie kalte Finger auf meiner Haut.
Als ich die letzte Röhre anschloss, überflutete das Gebäude mit Licht. Die Schatten sprangen zurück, verschwanden in den dunklen Ecken. Ich war allein.
Aber ich war nicht mehr derselbe. In den Neonstrahlen sah ich meine eigenen Dämonen, meine verdrängten Erinnerungen, meine Schuld. Das Gebäude hatte meine Seele zum Vorschein gebracht, meine dunkelsten Gedanken und die schrecklichen Geheimnisse der Stadt.
Ich rannte aus dem Gebäude, in die Dunkelheit. Die neonfarbenen Schatten verfolgten mich, schrien meine Schuld in mein Gesicht. Ich konnte nicht mehr atmen, mein Herz pochte wie ein Trommelfeuer.
Ich landete auf den kalten Stufen des Gebäudes, zitternd, voller Angst. Die Schatten umgaben mich, ich konnte nicht mehr sehen, nicht mehr hören.
Dann spürte ich etwas, eine kalte Berührung an meiner Schulter. Ich drehte mich um, und da stand er, der Schattenmann, meine Verkörperung der Schuld. Er grinste, sein Gesicht voller Bösartigkeit, und sagte: “Willkommen Zuhause, Michael.”
Top 10 Verben
sehen (see)
nehmen (take)
arbeiten (work)
fühlen (feel)
ignorieren (ignore)
konzentriert (concentrated)
wachsen (grow)
verschwinden (disappear)
springen (jump)
zurückgehen (go back)
The Shadow Man
I, Michael, was once a celebrated neon sign artist. My works lined the streets of the city, glowing in all colours, proclaiming messages and bringing the night to life. But a terrible mistake, a tragic accident, had taken everything from me. The city had forgotten me and I had forgotten myself.
For years I lived in oblivion, a shadow of myself, a victim of my guilt. But one night, as I strolled through the desolate streets, I saw a sign: “Dilapidated tower block – renovation wanted”. One last chance to prove that I was still worth something.
I accepted the job, entered the abandoned tower block and got to work. The neon lights in my hand felt familiar, but the surroundings were strange, cold, eerie. As I travelled up to light the top floor, I saw that the building was besieged by numerous shadows.
I ignored them and concentrated on my work. The colours danced before my eyes, the neon lights came to life. But the shadows remained, grew, and I felt them like cold fingers on my skin.
When I connected the last tube, the building was flooded with light. The shadows jumped back, disappearing into the dark corners. I was alone.
But I was no longer the same. In the neon beams, I saw my own demons, my repressed memories, my guilt. The building had brought out my soul, my darkest thoughts and the terrible secrets of the city.
I ran out of the building, into the darkness. The neon-coloured shadows chased me, screaming my guilt in my face. I couldn’t breathe, my heart was pounding like a drumfire.
I landed on the cold steps of the building, shivering, full of fear. The shadows surrounded me, I could no longer see, no longer hear.
Then I felt something, a cold touch on my shoulder. I turned round and there he stood, the shadow man, my embodiment of guilt. He grinned, his face full of malice, and said, “Welcome home, Michael.”
Last Updated on December 30, 2023
by DaF Books