Ich bin ein Graffiti-Künstler, bekannt für meine schimmernden, irisierenden Wandgemälde, die ich auf verlassenen Mauern hinterlasse. Ich liebe die Dunkelheit, die Stille, die rohe Kraft der alten Gebäude, die mir als Leinwand dienen. Nachts, wenn die Stadt schläft, erkunde ich die verfallenen Tunnel und unterirdischen Gänge, auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen für meine Kunst.
Heute Nacht bin ich in der Nähe einer alten U-Bahnstation gelandet. Die Station ist seit Jahren stillgelegt, die Gleise rostig, die Wände zerfallen. Ich folge einem schmalen, versteckten Gang, der sich tief in die Erde schlängelt. Die Luft wird feucht und kalt, ein seltsames Pulsieren vibriert durch die Wände.
Plötzlich taucht vor mir ein riesiges, leuchtendes Wesen auf. Es ist durchsichtig, amorph, tanzt in einem wirbelnden Lichtstrom. Es hat keine Form, keine Augen, kein Gesicht. Aber ich spüre, dass es mich wahrnimmt.
“Willkommen”, murmelt das Wesen, seine Stimme vibriert durch die Luft wie fernes Donnergrollen. “Ich habe auf dich gewartet.”
Ich bin erschrocken, aber auch fasziniert. Das Wesen ist so anders, so geheimnisvoll. Ich möchte mehr über es erfahren, mehr über seine Macht.
“Was bist du?”, frage ich.
“Ich bin ein Reisender zwischen den Welten”, antwortet das Wesen. “Ich bin gekommen, um dir etwas anzubieten.”
Es schwebt näher, und ich sehe, dass es meine tiefsten Wünsche reflektiert. Ich sehe mich selbst, gefeiert und anerkannt, meine Kunst ausgestellt in den großen Museen der Welt. Ich sehe mich selbst, reich und berühmt, ein Star in der Kunstwelt.
“Was willst du dafür?”, frage ich.
“Ein Stück deiner Seele”, sagt das Wesen. “Ein Stück deiner Kreativität.”
Ich bin schockiert. Ich weiß, dass ich meine Seele nicht verkaufen kann. Aber der Gedanke an Ruhm und Anerkennung ist so verlockend.
“Was passiert, wenn ich ablehne?”, frage ich.
“Du wirst nie wieder malen können”, sagt das Wesen. “Deine Kunst wird versiegen, dein Talent verblassen.”
Ich zögere. Meine Kunst bedeutet mir alles. Aber der Traum von Ruhm und Anerkennung ist so stark.
“Willst du es?”, fragt das Wesen.
Ich schaue in die leuchtenden Augen des Wesens, in die Spiegel meiner eigenen Wünsche und Sehnsüchte.
“Ja”, murmele ich.
Das Wesen streckt seine Hand aus, und ich sehe, wie ein Teil meiner Seele aus meinem Körper strömt, in seine Handfläche fließend. Das Wesen lächelt, seine Lichter glühen heller.
“Du wirst sehen”, sagt es. “Du wirst es nicht bereuen.”
Dann verschwindet es, und ich bin allein im dunklen Tunnel, mein Herz pocht, mein Geist verwirrt.
Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Habe ich meine Seele für Ruhm und Anerkennung verkauft?
Ich weiß es nicht. Aber ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.
Last Updated on December 28, 2023
by DaF Books