Ich bin ein Graffiti-Künstler, bekannt für meine schimmernden, irisierenden Wandmalereien auf verlassenen Gebäuden. Ich liebe es, die leeren Flächen mit meinen Farben zu beleben, ihnen Leben einzuhauchen.
Eines Nachts streife ich durch die Straßen der Stadt, suchend nach neuen Objekten für meine Kunst. Ich komme an einer alten, verlassenen U-Bahnstation vorbei. Ein Schauer läuft mir über den Rücken, als ich durch die dunklen Gänge gehe. Ich sehe eine verrostete Tür, an der ein Schild hängt: “Betreten verboten!”. Ich ignoriere das Schild und gehe durch die Tür.
Ich stehe in einem Tunnel, der tief unter der Erde verläuft. Der Tunnel ist dunkel und kalt. Ich höre ein leises Geräusch. Ich gehe weiter, bis ich zu einer Lichtquelle komme. Ich sehe ein leuchtendes Wesen, das an der Wand sitzt. Das Wesen ist durchsichtig und amorph. Es hat keine Arme oder Beine, nur ein großes, leuchtendes Auge.
Das Wesen spricht zu mir. Es sagt, dass es meine Kunst sehr mag und dass ich ein großes Talent habe. Das Wesen bietet mir an, mir zu helfen, meine Karriere voranzutreiben. Ich kann erfolgreich werden und meine Kunst in der ganzen Welt zeigen. Aber es gibt einen Preis: Ich muss dem Wesen ein Stück meines künstlerischen Genies geben.
Ich zögere, aber ich bin verlockt von der Aussicht auf Erfolg. Ich stimme dem Deal zu. Das Wesen nimmt einen Teil meiner Seele und gibt mir dann ein Geschenk. Ich sehe eine Vision von mir selbst, wie ich auf einer großen Galerieausstellung stehe, umgeben von Menschen, die meine Kunst bewundern. Ich sehe mich, wie ich mit reichen und berühmten Menschen tanze. Ich fühle mich überglücklich.
Ich wache auf, zurück in der U-Bahnstation. Ich bin nicht mehr in der Vision. Ich sehe das Wesen immer noch vor mir. Es sagt mir, dass ich nun erfolgreich sein werde. Ich gehe aus der U-Bahnstation und in die Stadt. Ich fühle mich voller Energie und Kreativität. Ich weiß, dass ich jetzt alles erreichen kann.
Aber ich habe ein schlechtes Gefühl. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas getan habe, was ich nicht hätte tun sollen. Ich habe ein Stück meines Selbst verkauft. Aber ich bin zu stolz, um es zuzugeben. Ich gehe weiter durch die Stadt, bis ich zu einer Galerie komme. Ich gehe hinein und frage nach dem Galeristen.
Der Galerist ist begeistert von meiner Kunst. Er sagt, dass er sie sofort ausstellen will. Ich unterschreibe einen Vertrag mit ihm. In den nächsten Monaten ist meine Kunst ein großer Erfolg. Ich werde berühmt und reich.
Aber ich bin nicht glücklich. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas verloren habe. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr ich selbst bin. Ich bin nicht mehr der Künstler, der ich einmal war.
Eines Nachts gehe ich wieder in die alte U-Bahnstation. Ich gehe durch den Tunnel und komme zum Wesen. Ich sage dem Wesen, dass ich es nicht mehr will. Ich will meine Kunst zurück, das Stück meines Selbst, das ich verkauft habe.
Das Wesen sagt, dass es das nicht kann. Ich sage dem Wesen, dass ich es bereue, den Deal abgeschlossen zu haben. Ich habe es nicht verdient, erfolgreich zu sein.
Das Wesen sagt, dass es mir das Stück meines Selbst zurückgeben kann, aber es wird einen Preis haben. Der Preis ist, dass ich das Wesen wiedersehen muss, jeden Tag, für den Rest meines Lebens.
Ich überlege kurz. Dann sage ich dem Wesen, dass ich es akzeptiere. Ich will mein Stück meines Selbst zurück.
Das Wesen nimmt einen Teil seiner Seele und gibt mir dann ein Geschenk. Ich sehe eine Vision von mir selbst, wie ich in einem verlassenen Gebäude stehe, umgeben von leeren Wänden. Ich sehe mich, wie ich mit einem Schlauch Farbe auf die Wände sprühe. Ich fühle mich leer und unglücklich.
Ich wache auf, zurück in der U-Bahnstation. Ich sehe das Wesen immer noch vor mir. Es sagt mir, dass ich nun wieder ein Künstler bin, aber ich werde nie wieder erfolgreich sein. Ich werde immer in der Dunkelheit leben, mit meiner Kunst, die niemand sehen wird.
Ich sage dem Wesen, dass ich das akzeptiere. Ich will mein Stück meines Selbst zurück, auch wenn es bedeutet, dass ich für immer unsichtbar bleiben muss.
Das Wesen nickt. Dann verschwindet es.
Ich bin jetzt wieder ein Künstler. Ich male immer noch auf verlassenen Gebäuden. Aber ich male nicht mehr für andere Menschen. Ich male nur für mich selbst.
Bin ich glücklich
Last Updated on December 28, 2023
by DaF Books