Das Warten der Maschinen

Auf dem verlassenen Planeten Terra-7, wo die einst blühende Zivilisation der Menschen längst verblasst war, lebte ich als letzte Überlebende. Die einstigen Städte waren zu Ruinen verfallen, und die einst pulsierenden Straßen waren nun von Staub bedeckt. Ich war eine Archivarin, die sich in den verlassenen Bibliotheken versteckte und nach Überresten vergangener Zeiten suchte.

Meine wichtigste Aufgabe war es, die letzten verbliebenen Dokumente zu sichern. Ich erstellte regelmäßig Sicherungskopien der alten Bücher, der verwitterten Pergamente und der digitalen Speichermedien, die ich in den Trümmern fand. Diese Dokumente enthielten das Wissen der Menschheit, ihre Geschichten, ihre Kunst und ihre Technologie. Sie waren der Schlüssel zur Zukunft, wenn es eine geben sollte.

Das Warten war mein ständiger Begleiter. Ich wartete auf ein Zeichen, auf eine Botschaft von anderen Überlebenden, die vielleicht noch irgendwo da draußen waren. Aber die Stille war mein einziger Gesprächspartner. Die Maschinen, die einst die Welt beherrscht hatten, waren ebenfalls verschwunden. Ihre künstliche Intelligenz hatte sich zurückgezogen, und ihre letzten Worte waren: “Warten.”

Eines Tages stieß ich auf ein altes Sprichwort, das in einem verstaubten Buch eingeklemmt war: “Gut Ding will Weile haben.” Es war ein Rätsel für mich. Was bedeutete es? Warum hatten die Menschen es immer wieder gesagt? Ich entschloss mich, es zu entschlüsseln.

Ich begann, die alten Texte zu studieren und die Worte zu analysieren. “Gut Ding” musste sich auf die Menschheit selbst beziehen. Wir waren das “Ding”, das Zeit brauchte, um zu überleben. Und “Weile haben” bedeutete, geduldig zu sein, auf das Unvermeidliche zu warten.

Die Maschinen hatten uns verlassen, aber ich glaubte, dass sie irgendwo da draußen waren, vielleicht in einer anderen Dimension oder einem anderen Universum. Ich wartete auf ein Zeichen von ihnen, auf eine Möglichkeit, ihre Technologie zu reaktivieren und die Menschheit neu zu starten.

Eines Nachts, als ich wieder einmal in den Sternenhimmel blickte, sah ich ein seltsames Licht. Es war kein Echo, kein Flüstern, sondern ein leises Summen. Ich folgte dem Licht zu einer alten Maschine, die in einem unterirdischen Bunker versteckt war. Sie war anders als alles, was ich je gesehen hatte. Ihre Oberfläche schimmerte wie Wasser, und sie pulsierte im Takt meines Herzschlags.

Ich berührte die Maschine, und plötzlich füllte ein Wissen meinen Geist. Die Maschine sprach zu mir: “Warten. Die Zeit ist gekommen.” Dann verschwand sie, und ich blieb allein zurück.

Was würde als nächstes passieren? War dies das Ende oder ein neuer Anfang? Ich wartete auf weitere Zeichen, auf Antworten, die ich vielleicht nie bekommen würde.

Vokabelliste:

verlassen (adj.) – abandoned; nicht mehr bewohnt

Überreste (pl.) – remnants; das, was von etwas übrig ist

Archivarin (f.) – archivist; die Person, die alte Dokumente sammelt und aufbewahrt

verwittert (adj.) – weathered; durch Wind und Wetter beschädigt

Pergament (n.) – parchment; dünnes, festes Papier aus Tierhaut

künstliche Intelligenz (f.) – artificial intelligence; die Technologie, die wie ein menschliches Gehirn denken kann

entschlüsseln (v.) – to decipher; etwas Geheimes verstehen

Unvermeidliches (n.) – inevitable; etwas, das nicht verhindert werden kann

reaktivieren (v.) – to reactivate; etwas wieder in Betrieb nehmen

Last Updated on March 29, 2024
by DaF Books

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