Das Geheimnis des Untergrunds

Ich bin bekannt als Graffiti-Künstler, der mit meinen schillernden, irisierenden Wandmalereien auf verlassenen Wänden für Aufsehen sorgt. Meist arbeite ich nachts, wenn die Straßen leer sind und die Stadt eine gespenstische Stille ausstrahlt. Eines Nachts, als ich in einer alten, stillgelegten U-Bahnstation arbeite, entdecke ich einen versteckten Tunnel, der in die Tiefe führt. Neugierig folge ich ihm.

Der Tunnel ist finster und muffig, und ich muss mich tastend vorwärts bewegen. Nach einer Weile öffnet sich der Tunnel zu einem großen, kreisförmigen Raum, der mit blauem Neonlicht beleuchtet ist. In der Mitte des Raumes schwebt ein transparentes, amorphes Wesen. Es ist so durchsichtig, dass ich seinen Körper nur schemenhaft erkennen kann.

Das Wesen spricht zu mir, seine Stimme flüstert in meinem Kopf. Es sagt mir, dass es meine tiefsten Wünsche kennt, und dass es mir helfen kann, sie zu erfüllen. Ich werde berühmt werden, meine Kunst wird in Galerien hängen, und ich werde viel Geld verdienen. Es sagt mir, dass ich nur einen kleinen Preis dafür zahlen muss: ein Stück meiner künstlerischen Seele.

Ich bin hin- und hergerissen. Ich will meine Kunst machen, aber ich will auch berühmt und erfolgreich sein. Ich frage mich, ob es wirklich möglich ist, beides zu haben.

“Willst du den Preis zahlen?”, fragt mich das Wesen.

Ich zögere. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

“Ja oder nein?”, wiederholt das Wesen.

Ich schweige.

“Antworte mir!”, fordert das Wesen mich auf.

Ich überlege noch einmal. Dann nicke ich.

“Ja”, sage ich.

Das Wesen lächelt. Es streckt seine Hand aus und berührt mich an der Stirn. Ich spüre ein Kribbeln im ganzen Körper. Dann schließt sich der Kreis aus Neonlicht um mich, und ich verschwinde.

Als ich wieder aufwache, bin ich in meinem Atelier. Es ist dunkel, und ich bin allein. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist. Ich schaue mich um. Meine Wandmalereien sind verschwunden. An ihrer Stelle sind nur leere Wände.

Ich bin erschrocken. Was ist passiert? Ich versuche, mich an das Wesen und seine Worte zu erinnern. Aber ich kann mich an nichts mehr erinnern.

Ich stehe auf und gehe zum Fenster. Es ist stockdunkel draußen. Ich kann nichts sehen.

Ich bin allein und orientierungslos. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

Ich nehme mein Telefon aus der Tasche und sehe, dass ich eine Nachricht habe.

“Willst du tanzen?”, fragt der Absender.

Ich kenne den Absender nicht. Aber ich weiß, wer es ist.

“Ja”, tippe ich.

Dann lösche ich die Nachricht und lege mein Telefon weg.

Ich gehe in mein Zimmer und ziehe mich an. Dann gehe ich nach draußen.

Ich weiß nicht, wohin ich gehe. Aber ich weiß, dass ich gehen muss.

Last Updated on December 28, 2023
by DaF Books

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